
Jeder kennt es: Man will sich als Team verbessern und stimmt dazu eine neue Arbeitsweise ab. Das Team startet hoch motiviert, doch nach zwei Wochen ist alles wieder beim Alten. Woran liegt das? Wie kann man neue Gewohnheiten im Berufsleben wirklich nachhaltig verankern – sei es im Rahmen einer Transformation, bei der Einführung agiler Methoden oder einfach, um effizienter zu arbeiten?
In der psychologischen Forschung gibt es mehrere belegte Modelle, die hier helfen können:
- Self-Determination Theory (Deci & Ryan) – Menschen brauchen Sinn, Autonomie und soziale Eingebundenheit, um motiviert zu bleiben.
- Atomic Habits (James Clear) – Kleine Schritte führen zu großen Veränderungen.
- Social Learning Model (Bandura) – Wir lernen durch Beobachtung und Nachahmung.
- Behavior Model (BJ Fogg) – Eine neue Gewohnheit braucht Motivation, Einfachheit und einen Trigger.
Warum neue Verhaltensweisen oft scheitern – und wie es besser geht
1. Motivation allein reicht nicht – es braucht Sinn und Autonomie
WIE ES SCHEITERT: „DIE ANSAGE VON OBEN“
Das Management beschließt, dass alle Teams plötzlich „agil arbeiten“ sollen. Warum? „Weil es modern ist und alle das so machen.“ Der Widerstand ist groß, die Meetings nerven, und nach einem Monat herrscht wieder das alte Chaos.
WIE ES FUNKTIONIERT:
Laut der Self-Determination Theory bleibt eine neue Verhaltensweise nur dann bestehen, wenn Menschen verstehen, warum sie es tun, und das Gefühl haben, selbst zu entscheiden.
- Statt agiles Arbeiten anzuordnen, erklärt das Management was das Ziel ist, wie agile Methoden bei der Verbesserung helfen, wie sie das Team entlasten und zu besseren Ergebnissen führen.
- Teams dürfen mitgestalten, welche agilen Methoden sie nutzen.
- Erfolgsgeschichten werden geteilt, um den Sinn zu verdeutlichen.
2. Die große Revolution klappt nicht – kleine Schritte schon
WIE ES SCHEITERT:
Ein Unternehmen führt plötzlich OKRs (Objectives & Key Results) ein, um die strategischen Ziele und die operative Umsetzung miteinander zu verknüpfen. Monatelange Workshops, endlose Meetings, Detaildiskussionen über Formulierungen – und nach einem Quartal hat niemand mehr Lust, sich damit zu befassen.
WIE ES FUNKTIONIERT:
James Clear beschreibt in Atomic Habits, dass kleine, kontinuierliche Schritte nachhaltiger sind als radikale Umstellungen.
- Statt OKRs sofort unternehmensweit einzuführen, startet ein Pilot-Team.
- Das Pilot-Team startet mit einer einfachen Struktur
- Erfolg wird sichtbar gemacht, sodass andere Teams Lust bekommen, es ebenfalls zu versuchen.
3. Verhaltensänderung braucht Vorbilder – sonst bleibt alles beim Alten
WIE ES SCHEITERT:
Die Führungskraft sagt: „Wir sollten in Meetings immer fokussiert sein und keine E-Mails nebenbei lesen.“ Doch genau diese Person tippt selbst ständig auf ihrem Handy herum. Was passiert? Richtig – nichts.
WIE ES FUNKTIONIERT:
Laut dem Social Learning Model (Bandura) lernen Menschen durch Nachahmung. Wenn die Führungskraft selbst fokussiert bleibt, werden es die Mitarbeitenden ebenfalls tun.
- Die Vorbilder im Team (Führungskräfte, informelle Leader) setzen die neue Verhaltensweise zuerst und authentisch um.
- Positive Beispiele werden hervorgehoben („Seitdem wir Meetings konzentriert durchführen, sind sie 30% kürzer!“).
- Fehler sind erlaubt – aber wer als Vorbild nachlässt, muss es sich eingestehen und wieder vorangehen.
4. Eine neue Gewohnheit muss einfach & getriggert sein – sonst vergisst man sie
WIE ES SCHEITERT:
Ein Team möchte jeden Freitag eine Retrospektive machen, aber niemand denkt daran. Ohne festen Termin und klare Struktur bleibt es eine gute Idee – aber keine Gewohnheit.
WIE ES FUNKTIONIERT:
Das Behavior Model von BJ Fogg besagt: Ein Verhalten bleibt nur bestehen, wenn es einfach ist und einen klaren Auslöser hat.
- Die Retro wird in den Kalender eingetragen und direkt nach der Kaffeepause abgehalten – Kaffee ist der Trigger.
- Die Methode ist bewusst einfach: Jede*r nennt eine Sache, die gut lief, und eine Sache, die verbessert werden könnte.
- Nach jeder Retro gibt es eine kleine Belohnung (z. B. das gemeinsame Schauen eines lustigen Video-Clips oder gegenseitige Kudos).
Der Erfolgs-Leitfaden: So verankerst du neue Verhaltensweisen dauerhaft
- Motivation allein reicht nicht: Gib deinen Teams Autonomie & erkläre den echten Nutzen (Self-Determination Theory).
- Mach es klein & einfach: Starte mit kleinen Schritten statt einer riesigen Umstellung (Atomic Habits).
- Nutze soziale Verstärkung: Vorbilder & positive Beispiele sorgen für Nachahmung (Social Learning Model).
- Trigger & Einfachheit sind der Schlüssel: Baue Erinnerungen & Belohnungen ein, um die Routine zu festigen (Behavior Model von Fogg).
Fazit: Kleine Schritte, große Wirkung!
Neue Verhaltensweisen lassen sich nicht erzwingen – aber mit den richtigen psychologischen Hebeln kann man sie nachhaltig verankern. Wer diese vier Prinzipien nutzt, sorgt dafür, dass Veränderungen nicht nur kurzfristig funktionieren, sondern zur neuen Normalität werden.